Das Konzept · PACE

Vier Ebenen für den Ernstfall.

Das PACE-Konzept — Primary, Alternate, Contingency, Emergency — ist ein etabliertes Planungsmodell für resiliente Kommunikation aus dem militärischen und BOS-Umfeld. Wir wenden es auf Ihre Organisation an.

Das Prinzip

Warum ein zweiter Anbieter keine Redundanz ist

Redundanz heißt: voneinander unabhängige Kommunikationswege. Zwei Verträge bei zwei Mobilfunkanbietern klingen nach Sicherheit — teilen aber dieselben Abhängigkeiten: Stromversorgung der Masten, Backbone-Infrastruktur, Netzauslastung im Krisenfall.

Fällt die gemeinsame Basis aus, fallen beide Wege gleichzeitig. Echte Resilienz entsteht erst durch technologische Vielfalt: die Kombination unterschiedlicher Übertragungsprinzipien, die in unterschiedlichen Szenarien versagen — und deshalb zusammen praktisch nie gleichzeitig. Genau das leistet die Staffelung in vier Ebenen. Jede Ebene deckt andere Ausfallszenarien ab; keine ist besser als die andere.

Wichtig für die Einordnung: Die Ebenen sind Rollen im Konzept, keine Produktkategorien. Welche Ebene ein System bedient, entscheidet sein Übertragungsweg — nicht das Gerät. Dasselbe IP-Funksystem kann über öffentliches Mobilfunknetz die Rolle der Ebene 2 übernehmen und über eigene, notstromversorgte IP-Infrastruktur Teil der Ebene 3 sein; per Gateway vernetzt es analoge Funknetze über Standorte hinweg. Welcher Baustein bei Ihnen welche Rolle übernimmt, ergibt die Analyse — die Lösungs-Matrix zeigt die möglichen Zuordnungen.

Die vier Ebenen im Überblick

Was jede Ebene leistet, wovon sie abhängt — und wo ihre Grenzen liegen. Ehrlichkeit über Grenzen gehört zum Konzept.

Ebene 1 · Primary

Ihre Regelkommunikation

Diese Ebene haben Sie bereits. Telefonie, E-Mail, Mobilfunk, Kollaborationstools — leistungsfähig und komfortabel im Normalbetrieb.

Grenze: hängt vollständig an Strom, Internet und öffentlichen Netzen — und an Ihrer eigenen IT. Sie ist der Ausgangspunkt unserer Analyse, nicht unser Verkaufsgegenstand.

Ebene 2 · Alternate

Alternative Netzwege

Kommunikation über Wege und Netze außerhalb Ihrer Regelinfrastruktur — getrennt von der eigenen IT. Typischer Baustein: IP-Funk über WLAN, Mobilfunk oder Satellit.

Grenze der Rolle: bleibt auf funktionierende Netzpfade Dritter angewiesen. Beim flächigen Blackout greift die nächste Ebene.

Ebene 3 · Contingency

Eigene Infrastruktur vor Ort

Kommunikation über Infrastruktur in Ihrer Hand — unabhängig von öffentlichen Netzen, mit Notstrom auch im Blackout. Typischer Baustein: Betriebsfunk, analog oder digital; auch IP-Systeme über eigene, notstromversorgte Netze können diese Rolle übernehmen.

Grenze der Rolle: Reichweite endet an der eigenen Infrastruktur. Für überregionale Meldewege braucht es Ebene 4.

Ebene 4 · Emergency

Weitverkehr ohne Infrastruktur

Die einzige Ebene ohne jede externe Komponente am Übertragungsweg — weitverkehrsfähig bei Blackout, Internet- und Mobilfunkausfall. Typischer Baustein: HF-Datenfunk (PACTOR).

Grenze der Rolle: geringe Bandbreite (Text und strukturierte Meldungen, keine Multimedia-Inhalte), eingewiesenes Personal erforderlich.

Das zentrale Erklärstück

Welche Ebene funktioniert in welchem Szenario?

Kein System ist in jedem Szenario verfügbar — genau deshalb braucht es die Staffelung. Die Matrix zeigt die typische Verfügbarkeit je Ausfallszenario. Die Bewertung im Einzelfall hängt von Ihrer konkreten Konfiguration ab.

Ausfallszenario Ebene 1
Regelkommunikation
Ebene 2
Alternative Netzwege
Ebene 3
Eigene Infrastruktur¹
Ebene 4
Weitverkehr autark²
Lokaler Stromausfall (Standort betroffen) eingeschränkt verfügbar verfügbar verfügbar
Flächiger Blackout (Region/Land, mehrere Tage) nicht verfügbar eingeschränkt³ verfügbar verfügbar
Mobilfunkausfall (Störung/Überlastung) eingeschränkt verfügbar verfügbar verfügbar
Internetausfall (Provider/Backbone) eingeschränkt eingeschränkt⁴ verfügbar verfügbar
Cyberangriff auf die eigene IT nicht verfügbar verfügbar⁵ verfügbar verfügbar
verfügbar eingeschränkt nicht verfügbar

¹ Typischer Baustein: Betriebsfunk. Räumlich auf die eigene Infrastruktur begrenzt (Standort/Fläche); Blackout-Betrieb setzt Notstrom voraus.   ² Typischer Baustein: HF-Datenfunk (PACTOR). Überträgt Text und strukturierte Daten, keine Multimedia-Inhalte; autarke Stromversorgung vorausgesetzt.   ³ Nur über Satellitenpfad mit eigener Stromversorgung; terrestrische Netze entfallen.   ⁴ Über Mobilfunk-/Satellitenpfad weiter möglich, abhängig vom Störungsumfang.   ⁵ Sofern als getrenntes System betrieben, nicht über das kompromittierte Firmennetz.

Beleg

Keine Theorie: Ausfälle passieren gestaffelt

Reale Ereignisse zeigen, warum einzelne Ebenen nicht genügen. Beim Hochwasser im Ahrtal 2021 fielen Mobilfunkstandorte, Festnetz und Strom über Tage gemeinsam aus — Einsatzkräfte und Verwaltung verloren gleichzeitig mehrere Kommunikationswege, die auf derselben Infrastruktur beruhten. Der Cyberangriff auf das Bodensegment des KA-SAT-Netzes am 24. Februar 2022 legte Zehntausende Satellitenterminals in Europa lahm — und zeigte, dass auch Satellitenkommunikation ein kommerzieller Dienst mit zentralen Abhängigkeiten ist.

Die Konsequenz ist nicht, einer Technologie zu misstrauen — sondern keiner allein zu vertrauen. Jede Ebene ist für ihr Szenario die richtige Lösung. Resilienz entsteht durch die Staffelung.

Wo stehen Sie heute?

Welche Ebenen haben Sie belastbar — welche fehlen? Wir gehen die Matrix mit Ihnen durch: Branche, Standorte, vorhandene Systeme. 30 Minuten reichen für eine erste Einordnung.